HELLIÖN – Divine Decadence
25. Feb. 2010 | von Sabrina
urzeit scheinen rocklastige Sounds ziemlich populär zu sein. Dieses Mal hat man es allerdings mit einer Bremer Band zu tun. ”Divine Decadence” heißt das aktuellste Album von HELLIÖN. Einzuordnen ist die Gruppe irgendwo bei langen Highways, GORILLA MANSOON, Wikingern und, wie die Band sagt “Fuckin´ Gööd Röck”. Das trifft das Ganze auch relativ gut, denn die Bremer wissen wie man gute Songs schreibt.
Der Opener “667″ bleibt sofort im Ohr, auch wenn eine manchmal etwas agressivere Stimme der Nummer sogar noch besser stünde. Gut gelaunt wartet man dann auf “Farmers Pride”, zunächst bekommt man aber ein Intro, in dem es, direkt gesagt, um den “kleinen Freund” geht. Kann man verschmerzen, dann schallt einem jedoch irgendwann der Refrain “My Cock is much bigger than yours” um die Ohren. Das ganze kommt etwas zu aufgesetzt und prollmäßig – hätte nicht unbedingt sein müssen.
Song drei schwebt so vorbei, es mangelt hier einfach an Druck in der Stimme. HELLIÖN kriegen aber wieder die Kurve mit “Let the Dragon Fly”, denn hier gibt es atmosphärischen, verträumten Rock, der zum Zurücklehnen geradezu einlädt. Etwas folkiger aber nicht weniger leichtfüßig begrüßt “Merlin” den Hörer. Mit ein paar traditionellen Instrumenten könnte der Song tatsächlich von einer Folkkapelle stammen. Die Platte packt dann wieder eine ganze Weile gut hörbaren Rock auf Motorrädern aus. Ziemlich solide das ganze, aber die Prise “Aha!”-Effekt fehlt irgendwie. Song neun, “The Glorious Ship”, winkt fröhlich Ensiferum zu, während das “zwar nicht ganz so große, aber immerhin überhaupt ein”-Schiff, versnobbte Kreuzer entert.
Die Pagan/Folk Ecke scheint den Jungs zu liegen, auf jeden Fall ist da eine Menge Raum zum Ausprobieren; vielleicht bekommt man sowas auf dem nächsten Longplayer ja nochmal. Langsamer, aber auch kraftvoll und überzeugend, verabschiedet sich“Divine Decadence” mit “When the Ice turns to Water”. Ein gelungener, nachdenklicher Abschluss einer echten Überraschung.
Sah das Album erst wie ein zurzeit normales Highway-Rock Album aus, wird doch ein recht großer und vor allem gekonnter Rundumschlag in Richtung Pagan gemacht, der nicht erzwungen wirkt (was in Zeiten der extremen Popularität dieses Genres öfter mal vorkommt). Manche Songs wirken zwar etwas eintönig, das größte Manko ist aber die manchmal etwas kraftlose Stimme. Da es dieses Problem in genauso vielen Songs nicht gibt, kann man es aber ja anscheinend. Also auf der nächsten Platte bitte ein bisschen derber, klingt bestimmt klasse. Insgesamt eine wirklich positive Überraschung, also alle aufsitzen und auf zur nächsten Autobahn!











